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Wachsende Stadt

Wachsende Stadt: Szenarien der Bevölkerungsentwicklung

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Wachsende Stadt: Szenarien der Bevölkerungsentwicklung

Im Mittelpunkt der Angebotsgestaltung innerhalb der Laufzeit des Nahverkehrsplans 2014-2018 steht die Anpassung des ÖPNV an die Erfordernisse der wachsenden Stadt.  Dabei gilt es sowohl die in der Vergangenheit entstandenen „Risse in der Angebotsdecke“ (Kapazitätsengpässe, erkannte Defizite in Erschließungswirkung und Angebotsqualität) aufzufüllen, als auch die Weiterentwicklung des ÖPNV passfähig zur Weiterentwicklung der Stadt (hinsichtlich Bevölkerung, Fläche, Alters-, Wirtschafts- und Sozialstruktur) zu gestalten. Grundlage dafür waren Berechnungen zum ÖPNV-Leistungsbedarf in der wachsenden Stadt Berlin.

 

ÖPNV-Leistungen für die wachsende Stadt

Im Nahverkehrsplanes 2014-2018 wurde das Leistungsvolumen ermittelt, das erforderlich ist, um bereits bestehende kapazitative Engpässe auszugleichen und eine der wachsenden Stadt Berlin angemessene Angebotsentwicklung innerhalb der NVP-Laufzeit 2014-2018 zu ermöglichen.

Für eine grobe quantitative Nachfrageabschätzung wurden hierfür zunächst die Daten der Bevölkerungsprognose mit den Zielsetzungen des Landes Berlin zum Modal-Split-Anteil des ÖPNV verschnitten. Um die Bandbreite der möglichen Nachfrageentwicklungen abzudecken, wurden drei verschiedene Nachfrageszenarien (untere, mittlere und obere Variante) entwickelt. Im Rahmen des NVP wurde entsprechend einer vorsichtigen und konservativen Abschätzung eine durch Bevölkerungszunahmen generierte Nachfragesteigerung zwischen der unteren und der mittleren Variante angenommen.

Neben dem Bevölkerungswachstum kommen weitere Treiber von Mehrbedarf und Nachfrage hinzu. Zu diesen gehören vor allem die wachsende Bedeutung des Tourismus, die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes mit einer Intensivierung der berufsbedingten Wege und der Pendlerverflechtungen mit dem Umland sowie die zusätzlichen Erschließungsbedarfe neuer Wohn- und Gewerbestandorte. Die aus diesen Entwicklungen entstehenden Mehrbedarfe wurden in einem zweiten Berechnungsschritt qualitativ abgeschätzt. Schließlich wurden die noch vorhandenen Kapazitätsreserven sowie die geringen Spielräume zur Umgestaltung des bestehenden Angebots berücksichtigt.

In Summe ergab sich für die einzelnen ÖPNV-Verkehrsmittel hieraus ein Angebots-Mehrbedarf in Bezug auf das Leistungsvolumen von rund drei bis sieben Prozent

  • Regionalverkehr: + 6 %
  • S-Bahn (nur Berlin): + 7 %
  • U-Bahn: + 3 %
  • Straßenbahn: + 3 %
  • Bus: + 4,5 %

Die größeren Mehrleistungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr resultieren aus infrastrukturbedingten Angebotsmaßnahmen. Höhere Werte im Busverkehr resultieren aus den zusätzlichen Erschließungsaufgaben, die insbesondere der Busverkehr aufgrund der kurzfristigen Anpassbarkeit übernimmt.

Für U-Bahn, Straßenbahn und Bus ist bis zum Ende der Laufzeit des NVP ein Zuwachs von insgesamt rund 5,2 Mio. Nutz-km (Bus + 4 Mio. Nutz-km, Tram und U-Bahn je + 0,6 Mio. Nutz-km) ggü. dem Stand im Jahr 2013 geplant, die Umsetzung des Leistungsaufwuchses ist dabei schrittweise in den Jahren 2014 bis 2018 vorgesehen.

Die genaue Verteilung der Leistungsmengen auf die einzelnen Verkehrsmittel (U-Bahn, Tram, Bus) ist Bestandteil der Abstimmung des jeweiligen Jahresfahrplans zwischen BVG und Aufgabenträger. Eine Umverteilung zwischen den BVG-Verkehrsmitteln (bei Einhaltung der Gesamtleistungsmengen) kann erfolgen, wenn BVG und Aufgabenträger dies als verkehrlich sinnvoll und betrieblich leistbar einschätzen.

Stand der Umsetzung und aktuelle Entwicklungen

In den letzten zwei Jahren sind auf Grundlage eines Beschlusses des Abgeordnetenhauses bereits zusätzliche Gelder für Mehrleistungen im Rahmen der wachsenden Stadt bereit gestellt worden. Damit konnten in den Jahren 2014 und 2015 erste Angebotsverbesserungen entsprechend der Angebotskonzeption des Nahverkehrsplans umgesetzt werden. Die langfristige finanzielle Absicherung des benötigten Leistungsvolumens ist Bestandteil der weiteren politischen Entscheidungsfindung im Land Berlin.

Ganz grundsätzlich hat sich in den letzten zwei Jahren die Bevölkerungsentwicklung deutlich dynamischer vollzogen, die aktuellen Einwohnerzahlen liegen derzeit selbst über den Annahmen, die in das oberste Szenario des Nahverkehrsplans eingeflossen sind. Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen beobachten diese Entwicklungen kontinuierlich und passen die Angebotsplanung an, soweit dies unter den bestehenden Rahmenbedingungen (Finanzierung, Fahrzeugverfügbarkeit, Erschließungsmöglichkeiten neuer Baugebiete) möglich ist.