Center Nahverkehr BerlinÖPNV-AngebotGrundsätze

Grundsätze

Zu den Grundsätzen der Angebotsgestaltung gehört es, die Angebotsmaßnahmen für die einzelnen Verkehrsmittel zum einen nach dem jeweiligen (lokalen, streckenbezogenen) Bedarf, und zum anderen nach den Rahmenbedingungen der Umsetzung, v.a. Fahrzeugverfügbarkeit, zu definieren und umzusetzen. Auch die Funktion der Verkehrsmittel und die in den NVP-Szenarien für den Leistungsaufwuchs formulierten Entwicklungserwartungen spielen bei der Angebotsgestaltung eine Rolle.

  • Die U-Bahn stellt (gemeinsam mit der S-Bahn) das Rückgrat des Berliner Nahverkehrs dar. Viele Kunden, vor allem Gelegenheits- und Neukunden, orientieren sich an den gut strukturierten und leicht nachvollziehbaren Netzen. In den vergangenen Jahren sind die Fahrgastzahlen auf vielen Linien stark gestiegen. In begrenztem Maße konnte dem durch Taktverdichtungen in den Nebenverkehrszeiten begegnet werden. Erhebliche Mehrleistungen sind aber auch während der Hauptverkehrszeiten nötig, können aber aufgrund fahrzeugseitiger Restriktionen nicht umgesetzt werden. Mit dem bevorstehenden Zulauf an Neufahrzeugen in der Laufzeit des NVP 2019-2023 und darüber hinaus wird das Angebot bei der U-Bahn daher stark verdichtet.
  • Im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag wurde der Ausbau der Straßenbahn als Ziel formuliert. Dort, wo eine Busbedienung bereits jetzt oder zukünftig an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, sollen in Zukunft oft Straßenbahnen die Bedienung übernehmen. Aufgrund der langfristigen Investition in ausreichend Fahrzeuge müssen für diese Strecken frühzeitig Angebotskonzepte erstellt werden. Auch das bestehende Straßenbahnnetz im Zentrum und in den östlichen Bezirken liegt größtenteils in den Stadtteilen, für die eine besonders starke Bevölkerungszunahme und damit steigende Fahrgastzahlen prognostiziert werden. Durch die dadurch notwendigen Taktverdichtungen und mit den bereits im Bau beziehungsweise in Planung befindlichen Netzerweiterungen (Turmstraße, Adlershof) gewinnt die Straßenbahn kurz- als auch langfristig sowohl Strecke und Attraktivität für noch mehr Fahrgäste hinzu.
  • Abseits der Schienentrassen übernimmt der Bus im Berliner ÖPNV-System gleich mehrere Funktionen: Auf den Hauptachsen bieten Metrobus- und Expressbuslinien schnelle und leistungsstarke radiale und tangentiale Verbindungen. Ergänzungsbuslinien übernehmen Erschließungs- und Zubringerfunktion und sorgen dafür, dass die Fahrgäste von dichten lokalen Netzen mit kurzen Wegen zur Haltestelle profitieren können. Das Netz von Metrobus- und Expressbus soll in Zukunft weiter ausgebaut werden und mehr Stadtteile schnell und in dichtem Takt miteinander verbinden. Doch auch die Ergänzungsbuslinien sollen attraktiver werden. Das „10-Minuten-Netz“ soll für möglichst viele Berlinerinnen und Berliner flächendeckend dichte Takte einführen. Mit seiner Doppelfunktion ist der Bus auch besonders von den Effekten der wachsenden Stadt betroffen – sowohl mit Blick auf steigende Bevölkerungszahlen bei gleichzeitiger Alterung der Stadtgesellschaft, als auch hinsichtlich der Verdichtung bzw. vor allem der Ausweisung neuer Standorte, die, wenn sie nicht durch die bestehende Schienenverbindungen angebunden sind oder werden, am ehesten über den Bus erschlossen werden können.